Olaf

Olaf

Die ersten ca. 12 Jahre von Olafs Leben liegen für uns alle leider im Dunkeln. Allerdings kann er es nie leicht gehabt haben. Wir vermuten, dass er sich die ganze Zeit als Streuner auf der Kanareninsel El Hierro durchgeschlagen haben muss. Er wird leider das typische Leben vieler Streunerkater erlebt haben: Angst, Hunger, Kälte, Regen und Kämpfe um das bisschen Futter.

Vor ca. 2 Jahren tauchte Olaf das erste mal bei Carina und Philip auf der Finca „Los Burros Felices“ auf und bettelte um ein wenig Futter und Aufmerksamkeit. Es ging ihm nicht gut, er war krank und abgemagert, sein Fell war stumpf und er hatte Angst vor Menschen. Carina und Philip nahmen sich seiner liebevoll an. Sie päppelten ihn auf, sie versorgten ihn, sie liebten ihn. Zum ersten mal durfte Olaf erleben, dass das Leben schön sein kann, Menschen lieb sein können und wie es ist, nicht ständig um Futter kämpfen zu müssen.

Es ist erstaunlich, wie sehr sich Olaf nach seinen schlimmen Erfahrungen noch an die Menschen angeschlossen hat. Er schenkte jedem Menschen auf der Finca volles Vertrauen, ließ sich von allen Menschen kraulen und streicheln und konnte schnurren wie ein Weltmeister. Sein eindeutiger Lieblingsplatz war das Stoffdach vom Cabrio. Dort lag er stundenlang in der Sonne und genoss sein neues Leben.

Als wir Olaf kennen lernen durften, war er einer der liebsten und verschmustesten Kater, die wir jemals gesehen hatten. Er begrüßte jeden Fremden überaus freundlich und schmiss seinen Schnurrmotor an, sobald er Menschen auch nur sah. Nur ins Haus wollte er nicht kommen, weil ihm das nicht ganz geheuer war.

Allerdings hatte er gerade einen Katerkampf hinter sich, aus dem er wohl als Verlierer heraus gegangen war. Olaf hatte davon eine erhebliche Verletzung am Hinterbein davongetragen, die ihn sehr in seiner Beweglichkeit einschränkte. Er ließ es aber sogar zu, dass wir sein Beinchen untersuchten, auch wenn er deutliche Schmerzen hatte. Olaf war ein Schatz, der das Herz eines jeden Menschen im Sturm eroberte.

Am Sonntag Abend, den 20.05.2007 wollte Olaf unbedingt mit in unser Haus gehen. Gerade an diesem Tag mussten wir allerdings die Türen geschlossen halten, weil wir Winny festsetzen mussten, der am nächsten Tag kastriert wurde. Olaf bettelte um Einlass, aber wir mussten ihn schweren Herzens draußen lassen. Geschlossene Türen im Haus hätten ihn in Panik versetzt. Niemals werde ich den traurigen Blick von Olaf vergessen, als wir ohne ihn in unser Haus gingen.

Am nächsten Tag stellten wir Blutspuren auf der Treppe fest – und Olaf war nicht an seinem gewohnten Platz auf dem Cabriodach. Wir suchten ihn überall. Gerade Carina und Philip waren unermüdlich auf der Suche nach ihm.

Am 22.05.2007 fanden ihn Carina und Philip. Er hatte sich schwer verletzt in ein Versteck zum sterben zurück gezogen. In der Nacht vom 20. auf den 21.05.2007 muss er von einem anderen Tier angegriffen worden sein. Olaf war entsetzlich zugerichtet, aber er lebte zu diesem Zeitpunkt noch. Carina und Philip brachten ihn umgehend zum Tierarzt Pedro, der ihn allerdings nur noch von seinen Qualen erlösen konnte.

Wir trauern entsetzlich um Olaf, der fast 36 Stunden in seinem Versteck auf seinen Tot gewartet haben muss. Kleiner Mann, jetzt bist Du da, wo Du keine Schmerzen mehr haben musst.

Zwei Jahre lang durftest Du Dein Leben bei Carina und Philip genießen. Es tröstet, dass Du erfahren durftest, dass es liebe Menschen gibt, die Dich in ihr Herz gelassen haben. Du süßer Kater, wir werden Dich nie vergessen!

Zum Abschied nur für Olaf

Bin ich dereinst gebrechlich und schwach, und quälende Pein hält ständig mich wach, was Du dann tun musst – tu es allein. Die letzte Schlacht wird verloren sein.

Dass Du sehr traurig, verstehe ich wohl. Deine Hand vor Kummer nicht zögern soll. An diesem Tag – mehr als jemals geschehn – muss Deine Freundschaft das Schwerste bestehn.

Wir leben zusammen in Jahren voll Glück. Furcht vor dem Muss ? Es gibt kein zurück. Du möchtest doch nicht, dass ich leide dabei. Drum gib, wenn die Zeit kommt, bitte mich frei.

Nur – bitte bleibe bei mir bis zum Schluss auch wenn es für Dich schwer sein muss. Und halte mich fest und red mir gut zu, bis meine Augen kommen zur Ruh.

Mit der Zeit – ich bin sicher – wirst Du es wissen, es war Deine Liebe, die Du mir erwiesen. Vertrauende Blicke ein letztes Mal – Du hast mich befreit von Schmerzen und Qual.

Und gräme Dich nicht, wenn Du es einst bist, der Herr dieser schweren Entscheidung ist. Wir waren beide so innig vereint. Es darf nicht sein, dass Dein Herz um mich weint.